Getrennt, aber nie allein

Toxische Beziehung hinter sich lassen:
Was mir nach 15 Jahren On-Off geholfen hat,
meinen Selbstwert zurückzuholen

„Virtuelle Rosen haben keine Dornen”, habe ich einmal geschrieben.
Was ich damals nicht wusste: Manche Dornen zeigen sich erst viel später.

Offenheit, Selbstbewusstsein

Über 15 Jahre lang bin ich immer wieder gegangen und immer wieder zurückgekehrt.
Nach jeder Trennung dachte ich, ich wüsste inzwischen, wie es geht:
loslassen, weitermachen, die Vergangenheit hinter mir lassen.
Und doch war ich in diesen Trennungsphasen nie wirklich allein, denn er meldete sich jeden Tag auf irgendeine Art und Weise, wollte wissen, wie es mir geht und was ich mache.

Heute weiß ich, dass es sich dabei um eine lückenlose Überwachung handelte und er mir diese Aufmerksamkeit nur vorgespielt hat.
Damals habe ich mir eingeredet:
Er meldet sich doch, also muss ihm etwas an mir liegen.
Und genau damit hat er mich jedes Mal wieder eingefangen, bis ich zurückgegangen bin.

Selbst wenn ich nicht abgehoben habe, war er da – allein durch seinen Namen auf dem Display. Dazu kamen E-Mails und SMS. Manchmal hatte ich eine Woche Ruhe, aber nie länger. Und wenn ich Abstand einforderte, ließ er nicht davon ab. So versuchte ich immer wieder, zu mir selbst zurückzufinden, während er nie ganz aus meinem Alltag verschwunden war.

Der Morgen, an dem nichts passiert ist

Selbstwert, Ruhe, Loslassen

Ich bin aufgewacht, aufgestanden und habe mir einen Kaffee gemacht.
Erst beim zweiten Schluck ist mir etwas aufgefallen.
Ich habe an nichts gedacht. Weder an ihn noch daran, was er heute tun oder schreiben könnte.
Auch nicht an den nächsten Trigger, der mich aus dem Konzept bringen könnte. Einfach nichts.

So gewöhnlich dieser Morgen war, so ungewöhnlich war er auch. Wirklich vorbei war es erst, als ich mich endgültig und komplett zurückgezogen hatte.
Kurz darauf hatte er wieder eine neue Beziehung und ich sagte ihm, er solle sich um sie kümmern und mich in Ruhe lassen.
Und dann kam dieser Morgen, an dem ich einfach aufgestanden bin, ohne dass er in meinem Kopf war. Ich hätte in all den Jahren nie gedacht, dass er die ganze Zeit dort gewesen war.
Erst als er weg war, merkte ich, wie viel Platz er eingenommen hatte.

 

Drei Dinge, die mir geholfen haben

Bewegung, aber nicht als Sport, sondern als leichtes Gehen.
Am Anfang waren die Gedanken beim Gehen oft besonders laut und schwer. Das darf so sein. Aber wenn ich mich auf die Natur um mich herum eingelassen habe, wurde es besser.
Genau da hat es angefangen zu wirken.

Nicht mehr über ihn reden.
Jedes Mal, wenn ich es doch getan habe, habe ich gemerkt, wie sehr mich das zurückgezogen hat – in Gedanken, in Gefühlen und manchmal sogar körperlich. Also habe ich es einfach sein lassen, und genau das hat mir spürbar mehr Ruhe gebracht.

Ein bewusster innerer Stopp.
Wenn er in meinen Gedanken aufgetaucht ist, habe ich mir einen klaren Stopp gesagt, so wie ein Bruch mitten im Gespräch, der einen kurz innehalten lässt. Das war nicht immer leicht, aber wenn es funktioniert hat, war es, als würde ich gedanklich woanders hinspringen, weg von ihm.

Was ich meinem Damaligen Ich heute sagen würde

Ich würde dir sagen:
Du bist eine starke Persönlichkeit.
Du bist nicht schwach oder naiv, sondern stark, weil du all das ausgehalten und durchgestanden hast.
Du hast dich gedreht und gewendet und immer versucht, das Richtige zu tun.
Du wolltest etwas aufrechterhalten, das es vielleicht nie wirklich gegeben hat, und du warst bereit, dafür einen Preis zu zahlen, den du nie hättest bezahlen können, weil du in seinen Augen nie genug warst.
Ein Objekt, kein Mensch.
Es war wie eine Fliege im Spinnennetz:
Du befreist einen Flügel und glaubst, jetzt bist du frei, und hängst im nächsten Moment mit dem anderen wieder fest.
Das war die bösartigste Form der Manipulation, und du hast die Schuld bei dir gesucht, weil man dir das immer wieder eingeredet hat, bis du es irgendwann geglaubt hast. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, auch beim Ausharren.

Wenn ich heute darüberschreibe, kommen mir noch immer die Tränen.
Nicht aus Selbstmitleid, sondern weil ich im Nachhinein weiß, wie stark ein Mensch sein kann und wie viel Last und Leid er ertragen kann.
Ich bin traurig für die Frau, die ich damals war, und für alles, was sie durchgemacht hat.

Und wenn du gerade selbst mittendrin steckst:
Du bist nicht zu wenig.
Du warst es nie.

Entwicklung, Selbstwert, Selbstliebe

Veränderung darf Zeit brauchen

Manchmal sehen wir erst im Rückblick,
wie sehr wir uns verändert haben.
Und wie viel Kraft in all den kleinen Schritten gesteckt hat,
die damals gar nicht so groß wirkten.

Ein Gefühl, das mir Kraft gibt

Wenn du beim Lesen etwas von dir wiedererkannt hast, dann probiere gerne meinen Test „Welcher Persönlichkeitstyp steckt in dir?” aus. Er hilft dir, ein klareres Bild davon zu bekommen, wo du geradestehst.

Schreibe mir einfach eine Nachricht und ich sende dir den Link zu.

Wie ich Grenzen ziehe, ohne mich dafür zu rechtfertigen, und was mich heute noch trägt, erzähle ich in einem der nächsten Beiträge


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Er war so aufmerksam, bis er es nicht mehr war.